Ich werde demnächst 27. Das ist noch gar nicht so alt. Aber immerhin alt genug, um nicht mehr den Stoffwechsel einer 17jährigen zu haben. Früher… damals… als ich noch ein junges Mädchen war, konnte ich alles futtern was mit unter die Nase gekommen ist. Kistenweise Schokolade, in Butter getaucht, mit Speck umwickelt, frittiert… egal, die zwei Kilometer Radfahrt zur Schule haben gereicht. Nicht nur das ich immer äußerst mager war, ich war auch muskulös. Ansätze eines Waschbrettbauchs, gut definierte Muskulatur an Armen und Beinen – das sah schon ziemlich gut aus. Später im Studium habe ich das Fahrrad gegen die S-Bahn getauscht, aber die Anfangsjahre in der Gastronomie als tellerschwingender Ninja haben mich dennoch gut in Form gehalten. Dann ging es los mit den Schreibtischjobs, Alkoholexzessen, Fressanfällen und so weiter. Gelegentlich mal joggen, Gewichte stemmen und Squash, bis zur tragischen Knieverletzung, dann war es aus. Vermehrter Prüfungsstress und andere nicht näher erläuterte Umstände ließen mich etwas in die Breite gehen. Wie sehr ich zum Hefeteig wurde, ist mir nie aufgefallen. Ihr kennt das Phänomen vielleicht, dass man bei Kindern nur merkt wie schnell sie wachsen, wenn man sie nicht regelmäßig sieht. So war es auch bei mir. Ich hab schon gemerkt, dass hier und da etwas Speck vor quoll, der da nicht hingehörte, dass Hosen strammer saßen oder Shirts nicht mehr so gut kleideten wie sie es einst taten. Das ganze Ausmaß der Katastrophe wurde mir erst vor zwei Wochen klar. In Ermangelung einer eigenen Waage, bestieg ich das elterliche Badezimmerutensiel, mehr aus Neugier als aus Verdacht – und sofort traf mich der Schlag. Sage und schreibe 20 Kilo – in Worten – zwanzig Kilo habe ich mehr drauf als zu meiner hey-sexy-Zeit. Ich war tatsächlich den Tränen nahe. Aber hey, sowas schockt, aber ist zum Glück kein Todesurteil – in IQ-Test mit 20 Punkten weniger hätten mich eher in den Selbstmord getrieben. Dennoch: Jetzt ist Schluss!
Ich habe meine Ernährung umgestellt. Morgens gibt es kein Eiweiß, abends keine Kohlenhydrate. Generell keinen Alkohol oder Süßigkeiten (bislang nur kleinere Ausnahmen). Zusätzlich zähle ich noch Kalorien mittels App, mehr des Spaßes als des Nutzens wegen.
Sport ist auch wieder angesagt und das ist der weitaus härtere Part. Drei Jahre Couching gehen nicht spurlos an einem vorüber. Für den Anfang Sit-Ups und Liegestütze – ich steigere mich da langsam.
Nun die Frage aller Fragen: Warum mach ich das öffentlich? Keine Versagensängste oder Schiss vor Peinlichkeiten? Nein! Wie fett ich tatsächlich bin, kann jeder sehen und ich mach mir gern selbst Druck. Daher poste ich auch jeden Tag das Ergebnis des morgendlichen Wiegens. Falls das mal nach oben schnellt, kommt da schon der entsprechende Arschtritt-Kommentar (Danke Alex und Martin!). Das erste Kilo ist schon weg. Ich erhebe meinen High-Five-Arm, soweit es der Muskelkater zulässt und hoffe auf die nächsten 19

